Er war ein Kind aus Favoriten // und hieß Matthias Sindelar. // Er stand auf grünem Platz inmitten, // weil er ein Mittelstürmer war. // Er spielte Fußball, und er wusste // vom Leben außerdem nicht viel. // Er lebte, weil er leben musste // vom Fußballspiel fürs Fußballspiel. // Er spielte Fußball wie kein zweiter, // er stak voll Witz und Phantasie. // Er spielte lässig, leicht und heiter, // er spielte stets, er kämpfte nie. // Er warf den blonden Schopf zur Seite, // ließ seinen Herrgott gütig sein, // und stürmte durch die grüne Weite // und manchmal bis ins Tor hinein. // Es jubelte die Hohe Warte, // der Prater und das Stadion, // wenn er den Gegner lächelnd narrte // und zog ihm flinken Laufs davon. // Bis eines Tages ein andrer Gegner // ihm jählings in die Quere trat, // ein fremd und furchtbar überlegener, // vor dem's nicht Regel gab noch Rat. // Von einem einzigen harten Tritte // fand sich der Spieler Sindelar // verstoßen aus des Planes Mitte // weil das die neue Ordnung war. // Ein Weilchen stand er noch daneben, // bevor er abging und nachhaus. // Im Fußballspiel, ganz wie im Leben, // war's mit der Wiener Schule aus. // Er war gewohnt zu kombinieren, // und kombinierte manchen Tag. // Sein Überblick ließ ihn erspüren, // daß seine Chance im Gashahn lag. // Das Tor, durch das er dann geschritten, // lag stumm und dunkel ganz und gar. // Er war ein Kind aus Favoriten // und hieß Matthias Sindelar.

Zitat des Augenblicks

Jedoch ist es natürlich, wohl gar unvermeidlich, das zu lieben, was als ein unermüdlicher Proteus jeden Augenblick bereit ist, sich in den jedesmaligen Gegenstand unserer so wandelsbaren Wünsche und mannigfaltigen Bedürfnisse zu verwandeln. Jedes andere Gut nämlich kann nur einem Wunsch, einem Bedürfnis genügen: Speisen sind bloß gut für den Hungrigen, Wein für den Gesunden, Arznei für den Kranken, ein Pelz für den Winter, Weiber für die Jugend usw. Sie sind folglich alle nur relativ gut: Geld allein ist absolute Gute: Weil es nicht bloß einem Bedürfnis in concreto begegnet, sondern dem Bedürfnis überhaupt in abstracto.

Arthur SchopenhauerPhilosoph, Schriftsteller, "Die Welt als Wille und Vorstellung", "Über das Sehen und die Farben", "Ü...