Zitat des Augenblicks

Sprich zum Leben so: / Verlier ich dich, so geb' ich hin, was nur / ein Tor festhielte. Sprich: Du bist ein Hauch, / abhängig jedem Wechsel in der Luft, / der diese Wohnung, die dir angewiesen, / stündlich bedroht. Du bist nur Narr des Todes; / den durch die Flucht strebst du ihm zu entgehn / und rennst ihm ewig zu. Du bist nicht edel; / denn alles Angenehme, das dich freut, / erwuchs aus Niederm. Tapfer bist du nicht; / du fürchtest ja die zartgespaltne Zunge / des armen Wurms. Dein bestes Ruhn ist Schlaf. / Den rufst du oft und zitterst vor dem Tod, / der doch nichts weiter. Du bist nicht du selbst; / denn du bestehst durch Tausende von Körnern, / aus Staub entsprossen. Glücklich bist du nicht: / Was du nicht hast, dem jagst du ewig nach, / vergessend, was du hast. Du bist nicht stetig: / Dein Seelenzustand wechselt seltsam launisch / mit jedem Mond. Reich, bist du dennoch arm. / Dem Esel gleich, der unter Gold sich krümmt, / trägst du den schweren Schatz nur einen Tag, / und Tod entlastet dich. Freund' hast du keine; / denn selbst dein Blut, das Vater dich begrüßt, / die Wirkung deiner eignen innern Kraft, / flucht deiner Gicht, dem Aussatz und der Lähmung, / daß sie nicht schneller mit dir enden. / Du hast zu eigen Jugend nicht noch Alter, / nein, gleichsam nur 'nen Schlaf am Nachmittag, / der beides träumt; denn all dein Jugendglanz / hat nichts voraus und fleht vom welken Alter / die Zehrung sich: Und bist du alt und reich, / hast du nicht Glut noch Triebe, Mark noch Schönheit, / der Güter froh zu sein.

William ShakespeareDramatiker, Dichter, Schauspieler, Sprachvirtuose, "Ein Sommernachtstraum", "Romeo und Julia", "Othe...